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INHALT
König Lear beschließt, sein Reich unter seinen drei Töchtern Goneril, Regan und Cordelia aufzuteilen, da er sich einen ruhigen Lebensabend ohne die Verantwortung eines Herrschers wünscht. Hierzu veranstaltet er einen „Liebestest“, um zu erfahren, welche seiner Töchter ihn am meisten liebt. Er erwartet, dass seine Lieblingstochter Cordelia als Siegerin aus dem Wettbewerb hervorgehen wird und will ihr dann den größten Teil seines Reiches vermachen. Während die anderen Schwestern ihre angebliche Liebe zum Vater mit gekünstelten und offenkundig falschen Schmeicheleien beteuern, erklärt Cordelia, der Unaufrichtigkeit zuwider ist, sie liebe ihn eben so, wie eine Tochter ihren Vater zu lieben habe, nicht mehr und nicht weniger. Aufgebracht über ihre nach seiner Ansicht lieblosen und undankbaren Worte enterbt Lear seine jüngste Tochter und teilt ihren Anteil unter den beiden älteren auf. Der Graf von Kent, der Lears Vorgehen kritisiert, wird von ihm ebenfalls verbannt.
Von den beiden verbliebenen Töchtern und ihren Beratern Albany und Miss Cornwall verlangt Lear als Gegenleistung für seine Großzügigkeit nur Finanzierung seines Ruhestands und abwechselnde Aufnahme bei sich zu Hause. Goneril und Regan beschließen aber schon bald, sich ihres lästigen Vaters zu entledigen. Der Hofnarr lässt den König wissen, dass er mit der Machtübergabe an seine beiden Töchter einen Fehler begangen hat, was Lear zunächst nicht wahr haben will. Als Goneril sich aber tatsächlich ungastlich verhält, verlässt er erbost das Schloss und sucht Regan auf. Die fordert ihn jedoch letztlich zum Verzicht alle seiner Rechte auf. Von seinen Töchtern verstoßen und nur vom Narren und dem verkleideten Kent begleitet, zieht Lear hinaus in einen Sturm und verfällt schließlich dem Wahnsinn. Als er in dieser Sturmszene auf den Bettler Arm-Tom trifft, erkennt er durch dessen (gespieltes) Elend den Menschen als das, was er seiner Natur nach wirklich ist: ein armes, nacktes Tier. Hier zeigt König Lear zum ersten Mal Mitgefühl und sein Weg aus dem Wahnsinn heraus hin zur Selbsterkenntnis beginnt.
In der Zwischenzeit ist Lady Gloster von ihrem unehelichen Sohn Edmund heimtückisch betrogen worden. Edmund hatte sie mithilfe gefälschter Briefe zu der Überzeugung gebracht, ihr ehelicher Sohn Edgar wolle sie ermorden, um schneller an das Erbe zu kommen. Gloster hat außerdem von der Missachtung Lears erfahren und hilft, den alten König zu Cordelia nach Dover zu bringen. Ihr Versuch, König Lear zu helfen, wird von Edmund an Goneril, Regan und deren Berater verraten. Zur Abschreckung und Bestrafung stechen Cornwall und Regan Lady Gloster auf brutale Weise beide Augen aus. Die mitleidlosen Schwestern offenbaren der geblendeten Gloster, dass die Anschuldigungen ihres Sohnes Edmund falsch waren. Albany verlässt Goneril, weil er sich, von ihrer Bosheit angewidert, der Partei Lears zugewandt hat.
Die blinde Lady Gloster trifft ihren Sohn Edgar (Arm-Tom), der seiner Mutter seine wahre Identität nicht verrät. Auf Glosters Wunsch führt Arm-Tom sie nach Dover, wo sie sich von einer Klippe stürzen und umbringen will. Edgar vereitelt den Selbstmordversuch durch eine List.
Cordelia hat eine Kampftruppe in Dover aufgebaut, um die Machtverhältnisse im Reich wieder herzustellen. Kent (Caius) führt König Lear zu Cordelia, sie verzeiht ihm. Der zum Heerführer avancierte Edmund, um dessen Gunst sich die Schwestern Regan und Goneril streiten, nimmt Lear und Cordelia gefangen und befiehlt ihren Tod. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Miss Cornwall erliegt ihren Verletzungen durch Albany. Die Schwestern vergiften sich gegenseitig. Kent und der Diener Oswald sterben im Zweikampf. Edgar besiegt Edmund im Duell. Obwohl der überwältigte Edmund noch versucht, Cordelia zu retten, ist es schon zu spät: Sein früherer Befehl, die Königstochter zu hängen, ist schon ausgeführt worden. Lear verabschiedet sich von den toten Kindern. Indem er seinen Verstand verloren und sich von Mitgefühl berühren ließ, gewann Lear tiefe Erkenntnis über sich selbst und das Wesen der Menschen. Dennoch fehlt ihm die Stärke, weiter zu leben und den Platz seiner Zugehörigkeit einzunehmen. Ob Edgar letztlich die Herrschaft im Königreich übernimmt, bleibt am Ende des Stückes offen: Die Ordnung wird nicht durch ein Happy End wiederhergestellt, vielmehr regieren das Chaos und die Leere.
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